| Zietenhorst ist ursprünglich eine unbesiedelte Sandinsel im Rhinluch-Moor. Im 18. Jahrhundert wurde das Feuchtgebiet durch den Dammbau des Rhinkanals sommerlich trocken gelegt. Lediglich die Sommerweiden auf der Insel Zietenhorst nutzten Schäfer, Ackerbau im heutigen Sinne gab es nicht. Durch das Rhinluch, an Zietenhorst vorbei, führt die in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts mit Kopfsteinplaster errichtete Rhinluch-Chaussee von Wustrau nach Flatow. Um 1930 befand sich auf der Insel im Moor nur das Gehöft „Gieses Hof“. | |
| Die Rhinluch-Barracks (ca. 1934) waren neben einigen weiteren Holzbaracken auf der Insel Zietenhorst Ausgangspunkt eines umfangreichen Meliorations-, Siedlungs- und Kultivierungsprojektes des Arbeitsdienstes im Rhinluch während der NS-Zeit. Zwischen 1937 und 1941 entstanden durch die Siedlungsgenossenschaft "Eigene Scholle" auf der Sandinsel im Moor sechs reetgedeckte Hofstellen (Wohnstallhaus) in traditioneller Fachwerk-Bauweise. Um Zietenhorst gründeten Siedler die Höfe Erlenhof, Birkenhof und Brandeshof. | |
| Mit schweren Raupen, Moorpflügen und Feldbahnen, Schleusen, Gräben und Pumpwerken wurde der Boden um Zietenhorst urbar gemacht. Straßen und Wege, meist mit Schotter- oder Pflasterbelag, nach Fehrbellin, Hakenberg, Wustrau, Wall, Linumhorst und Langen wurden angelegt. Es wurde im Rhinluch systematisch Torf als Energieträger für den Ballungsraum Berlin gestochen, getrocknet und über den Rhinkanal abtransportiert. Die Rhinluch-Barracks waren vom 14.08.1940 bis zum 09.12.1944 Zweiglager des Stalag IIID (Lager für Kriegsgefangene). In dieser Zeit wurde ringsum Hanf angebaut, der zur Flachsverarbeitung nach Fehrbellin geliefert wurde. Etliche Bleichstellen, so zum Beispiel in Hakenberg, entstanden im Rhinluch.Es gibt von nun an Zeitzeugenberichte, die einen wesentlichen Gesamteindruck der Lebenskultur vermitteln. | |
| In der Nachkriegszeit bis 1990 waren die von Zaunanlagen und Stacheldraht gesäumten Flächen des Areals Rhinluch-Barracks bis zur Freilassung der Kriegsgefangenen bis ca. 1947 bewohnt. Ab dann nutzte die Volkspolizei das Camp bis ca. 1955 zum Strafvollzug. 1955 wurden die Sperranlagen abgebaut, das Strafgefangenenlager geschlossen und die ziviele Nutzung des Camps begann. Der Einkaufsladen von Zietenhorst (Konsum) eröffnete hier und mehrere Familien wurden in den Barracken heimisch. Teilweise nutzte das sozialistische Volksgut (LPG Zietenhorst) ein Gebäude als Lager für Tierfutter, später wohnten insgesamt 4 Familien auf dem Areal der Rhinluch Barracks. | |
| In Zietenhorst wurden die Siedlerhäuser in das Volksgut Zietenhorst integriert (Enteignung). 1957 beginnt das Volksgut Zietenhorst mit landwirtschaftlicher Milchviehzucht. Das erste Offenstall-Zuchtkombinat der Deutschen Demokratischen Republik ermöglicht im Ort eine Gaststätte, einen Kindergarten, eine Bibliothek und regelmäßige Arztsprechstunden. Die Nachteile der sauren Moorböden werden durch Umbrechen und Neusaat aufgefangen. Experimente wie die Rhabarberzucht im Schlag neben den RHinluch-Barracks oder | |
| Die nach Leerstand ab 1990 völlig verwahrlosten und durch Vandalismus stark beschädigten Gebäude der Rhinluch-Barracks bauten wir ab Ostern 2000 wieder auf. Im Jahr 2009 erfolgte die Einweihung des Freizeit-Areals Zietenhorst. Der Zustand der Straßenverbindungen von Süden her (Berlin) oder Norden (Wustrau) nach Zietenhorst war sehr schlecht. Im Jahr 2005 wurde die Straße nach Wustrau restauriert, im Jahr 2009 die Strasse nach Fehrbellin. |